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Stillen oder Flasche?

Genau genommen ist dies eine rhetorische Frage. Alle sind sich einig, dass Muttermilch von Anfang an das Beste und Gesündeste ist, was Sie Ihrem Säugling geben können.

Im ersten Lebensjahr sind die Verdauungsfunktionen Ihres Kindes noch nicht voll ausgereift. Hinzu kommt, dass gerade Säuglinge – im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht – besonders viel Energie und Nährstoffe brauchen. Die Muttermilch ist von Natur aus optimal auf die Bedürfnisse Ihres Babys abgestimmt. Stillen Sie Ihr Kind in den ersten vier bis sechs Monaten ausschließlich, benötigt es keine zusätzlichen Lebensmittel wie Obstsaft, Karotten oder Tee.

Die Zusammensetzung der Muttermilch ändert sich entsprechend den Bedürfnissen Ihres Babys. Zu Beginn des Stillens ist die Muttermilch dünnflüssig und löscht den Durst. Gegen Ende der Mahlzeit wird sie dickflüssiger und fetthaltiger, um den Hunger zu stillen. Die Muttermilch enthält neben allen Nährstoffen auch Spurenelemente und Mineralstoffe. Zudem erhält Ihr Baby mit der Muttermilch zahlreiche Abwehrstoffe, die sein Immunsystem früh trainieren. Stillen beugt wahrscheinlich auch verschiedenen Allergien vor.

Gestillte Babys werden seltener dick als nicht gestillte Kinder. Je länger Sie stillen, desto deutlicher verringert sich das Risiko für Ihr Kind, später übergewichtig zu werden. Die Milchmengen, die Säuglinge benötigen, variieren stark. Sie können sicher sein, dass Ihr Baby genug Milch bekommt, wenn es ausreichend an Gewicht zunimmt. Im ersten Halbjahr ist eine Gewichtszunahme von etwa 150 bis 200 Gramm pro Woche normal, im zweiten Halbjahr etwa 100 Gramm pro Woche. Ein gesunder Säugling hat sein Geburtsgewicht nach vier bis fünf Monaten verdoppelt und nach einem Jahr etwa verdreifacht.

Es wird empfohlen, wenn möglich sechs Monate voll, also ausschließlich, zu stillen. Die Vorteile des Stillens können nur eintreten, wenn Sie Ihr Baby ausschließlich mit Muttermilch ernähren und nicht zu früh mit der Beikost beginnen. Lassen Sie sich nicht durch die Werbung irritieren. Übrigens: Stillen ist auch praktisch. Sie haben stets die komplette Mahlzeit für Ihr Kind dabei. Sie brauchen sich nicht um abgekochte Sauger, sterilisierte Flaschen und die optimale Trinktemperatur zu kümmern.

Schadstoffe in der Muttermilch sind heute kein Problem. Dank der Anstregungen, den Austoß von Schadstoffen in unsere Umwelt zu reduzieren, sank erfreulicherweise auch der Gehalt an Schadstoffen in der Muttermilch erheblich. Sie können Ihr Kind in den ersten vier bis sechs Monaten daher ohne Bedenken voll stillen und dann nach der Einführung von Beikost so lange weiter stillen, wie Sie und Ihr Kind dies wollen.

Bei Stillproblemen

Trinken die Kleinen schlecht oder bekommen Frauen wunde Brustwarzen oder sogar eine Brustentzündung, geben Mütter das Stillen meist auf. Das muss nicht sein, viele Probleme lassen sich durch den Rat erfahrener Hebammen, in Stillgruppen vor Ort sowie durch Frauenärzte und Frauenärztinnen vermeiden oder schnell beheben. Beratungsangebote gibt es bei den unten aufgeführten Kontaktstellen. 
Die Internetseite »Stillen - Der beste Start ins Leben« (siehe weiterführende Informationen) informiert Sie über Organisationen und Verbände, die Rat und Unterstützung bezüglích des Stillens und bei Stillproblemen anbieten.

Ernährung der Mutter

Mütter, die ihr Baby bis zum vierten Monat voll stillen und ihre körperliche Aktivität nicht wesentlich einschränken, brauchen täglich etwa 600 Kilokalorien mehr als nicht stillende Frauen. Ab dem vierten Monat verringert sich der zusätzliche Energiebedarf auf rund 500 Kilokalorien täglich.

Da Ihr Baby über die Muttermilch mit allen lebenswichtigen Nährstoffen versorgt wird, ist es wichtig, dass Sie sich während der Stillzeit abwechslungsreich ernähren. Bevorzugen Sie Obst, Gemüse und Getreideprodukte. Natürlich gehören auch Milchprodukte, Fleisch und Fisch zu einem ausgewogenen Essen in der Stillzeit. Sehr wichtig: Trinken Sie mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag, am besten Mineralwasser, Saftschorle oder ungesüßten Kräuter- und Früchtetee.

Auf den Genuss von Alkohol und Zigaretten sollten Sie während der Stillzeit – genauso wie in der Schwangerschaft – vollkommen verzichten. (Auch der Vater sollte auf das Rauchen verzichten.) Denn Alkohol und die Schadstoffe der Zigaretten gelangen über Ihre Milch in das Blut Ihres Kindes. Kaffee, schwarzer und grüner Tee sowie Cola enthalten Koffeein, das Ihr Baby unruhig machen kann. Verzichten Sie in der Stillzeit auf diese Getränke oder trinken Sie hiervon nur ganz wenig.

VORSICHT: Medikamente sollten Sie nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt einnehmen.

Milchflasche statt Muttermilch

Trotz intensiver Bemühungen können manche Mütter nicht stillen. Dann ist industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung (Fertigmilch) eine Alternative. Achten Sie darauf, dass in der Zutatenliste nur Milchzucker und/oder Stärke aufgeführt sind. Fertigmilch mit Zuckerzusatz (Saccharose = Haushaltszucker) bringt Ihr Baby zu früh auf den süßen Geschmack.

Auf den Fertigmilchpackungen finden Sie Hinweise, wieviel Ihr Baby trinken sollte. Betrachten Sie diese Hinweise nur als Orientierungshilfe! Nicht jedes Baby trinkt gleich viel. Ihr Baby hört auf zu trinken, wenn es satt ist. Zwingen Sie es nicht, die Flasche leer zu trinken. Denn Ihr Baby weiß selbst am besten, wieviel es braucht.