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Kleinkinder

Der Begriff »Fütterstörung« bezeichnet das Nicht-Essen- bzw. Nicht-Trinken-Können oder -Wollen eines Babys oder Kleinkindes. Eine Fütterstörung zählt wie Schrei- oder Schlafstörungen zu den frühkindlichen Regulationsstörungen. Oft treten Fütterstörungen zusammen mit Schlaf und/oder Schreiproblemen auf.

Psychologen sprechen erst dann von einer Fütterstörung, wenn das Füttern seitens der Eltern über einen Zeitraum von mehr als einem Monat als problematisch empfunden wird. Ab dem dritten Lebensmonat können Mahlzeiten, die durchschnittlich länger als 45 Minuten dauern oder ein unter zwei Stunden liegendes Intervall zwischen zwei Mahlzeiten als weitere Hinweise auf eine Fütterstörung gewertet werden.

Fütterstörungen können organisch oder nicht organisch verursacht sein, wobei in der Realität einer Fütterstörung zumeist mehrere Faktoren zu Grunde liegen. Organische Ursachen sind zum Beispiel Stoffwechselerkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder eine krankhafte Mundmotorik. Jede Fütterstörung sollte mit Blick auf mögliche organische Ursachen von Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt abgeklärt werden.

Nicht organische Fütterstörungen können zum Beispiel verursacht werden durch Paarkonflikte, das Temperatment des Kindes, unklare Rahmenbedingungen, Ablehnung oder Vernachlässigung durch die Mutter oder durch eine Traumatisierung des Kindes. Das Agieren und Re-Agieren der Eltern gegenüber ihrem Kind, die sogenannte Eltern-Kind-Interaktion, spielt bei nicht organischen Ursachen eine wichtige Rolle. Auf der einen Seite steht das Bestreben des Kindes, sich eigene Bedürfnisse selbst erfüllen zu können und zu wollen. Auf der anderen Seite stehen die Eltern, die sich um das Gedeihen ihres Kindes ängstigen, vielleicht Versagensgefühle und Verunsicherung empfinden oder sich in ihrem Selbstwertgfühl verletzt sehen.

Je nach Ausprägung der Fütterstörung ist eine Beratung, eine ambulante oder stationäre Therapie sinnvoll. Wichtig ist, scheuen Sie sich nicht, rechtzeitig um Rat zu fragen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet im Internet ein Adressverzeichnis »Beratung bei Fütterstörungen« an. Hier können Sie mit Hilfe eines Postleitzahlenverzeichnisses nach einem Beratungsangebot suchen. Die Angebote wurden nicht im Einzelnen geprüft, Aussagen zur Qualität werden nicht getroffen.

Auch die Gesellschaft für seelische Gesundheit in der frühen Kindheit (GAIMH e. V.) hat auf ihrer Website eine Suchfunktion für Beratungs- und Therapieangebote in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingerichtet.

Was Sie tun können

Merken Sie, Ihr Kind verweigert das Essen, um Zuwendung, eine interessante Ablenkung oder sein Lieblingsessen zu erreichen, können folgende Hinweise hilfreich sein:

  • Kinder brauchen einen geregelten Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten und essfreien Pausen dazwischen. Trennen Sie daher Mahlzeiten von Spielzeiten.
  • Festes Essen und Löffelkost einzuführen, ist erst sinnvoll, wenn Ihr Kind dies will. Dies erkennen Sie daran, wenn Ihr Kind sich dafür interessiert, was andere essen, wenn es beim Zuschauen den Mund bewegt oder den Mund öffnet, wenn es den Löffelt sieht.
  • Ihr Kind braucht Mahlzeiten, die seinem Alter entsprechen und die kindgerecht zubereitet sind.
  • Die Trink- und Essensmenge, die Kinder zum gesunden Aufwachsen brauchen, variieren stark von Kind zu Kind und selbst von Mahlzeit zu Mahlzeit. Orientieren Sie sich nicht an den auf den Packungen angegebenen und empfohlenen Essensmengen. Beachten Sie die Hunger- und Sättigungssignale Ihres Kindes.
  • Warten Sie beim Essen ab, bis sich Ihr Kind dem Löffel zuwendet und beenden Sie das Füttern, wenn es sich abwendet oder den Mund schließt. Kinder wissen in der Regel genau, wann sie genug haben.
  • Lassen Sie Ihr Kind nicht kurz vor einer Mahlzeit trinken und lassen Sie es nicht dauernd mit einer Nuckelflasche herumlaufen. Selbst kleine Mengen gesüßter Tee oder verdünnter Saft können den Appetit drosseln.
  • Geben Sie nur kleine Portionen auf Löffel und Teller.
  • Achten sie darauf, dass Ihr Kind auf dem Schoß Kopf und Hals aufrecht halten kann oder dass es im Hochstuhl aufrecht sitzt und es Sie anschauen kann.
  • Kinder mögen das Essen in Gemeinschaft. Lassen Sie es so oft wie möglich am Familientisch essen. Streiten Sie nicht am Familientisch und unterstützen Sie Ihr Kind, wenn es selbständig essen will.
  • Üben Sie keinen Druck aus, wenn Ihr Kind mal keinen Hunger hat oder etwas nicht mag. Wenn Ihr Kind etwas Neues ausprobiert, lassen Sie ihm Zeit und loben Sie es dafür.

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Weiterführende Informationen

© Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz