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Hilfen außerhalb des Elternhauses

Auch diese Hilfen zeigen heute ein differenziertes Bild, das von Pflegefamilien, über Heime und Wohngruppen bis hin zu Einzelbetreuungen reicht und dann in Betracht kommt, wenn Eltern zur Erziehung eines Kindes oder Jugendlichen aus den verschiedensten Gründen zeitweise oder dauernd – auch mit Unterstützung durch die bisher angeführten Hilfen – nicht in der Lage sind. Soweit wie möglich ist die Rückkehr in die Herkunftsfamilie anzustreben.

Vollzeit-/Familienpflege

Vollzeitpflege heißt, ein Kind oder Jugendlicher wird befristet oder auf Dauer in einer anderen Familie untergebracht. Kinder unter 6 Jahren, die nicht bei ihren Eltern leben können, sollen regelmäßig in eine Pflegefamilie vermittelt werden. Jedoch kann auch für ältere Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres eine Vollzeitpflege erforderlich sein. Die Auswahl einer geeigneten Plegefamilie obliegt dem Jugendamt und orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen des Kindes oder Jugendlichen. Für besonders entwicklungsbeeinträchtige Kinder oder Jugendliche sind Sonderpflege- und Erziehungsstelleneltern mit entsprechenden beruflichen und persönlichen Erfahrungen auszuwählen.

Pflegeeltern müssen mit dem zuständigen Jugendamt zusammenarbeiten und insbesondere bei der Erstellung beziehungsweise Fortschreibung von Hilfeplänen mitwirken. Sie sind berechtigt, das Kind oder den Jugendlichen in Angelegenheiten des täglichen Lebens zu vertreten. Lebt das Kind für längere Zeit in Familienpflege, kann des Gericht der Pflegeperson Angelegenheiten der elterlichen Sorge übertragen. In diesem Umfang hat die Pflegeperson die Rechtsstellung eines Pflegers.

Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform

Durch Heimerziehung oder sonstige betreute Wohnformen sollen Kinder und Jugendliche, die außerhalb der eigenen Familie und nicht in einer Pflegefamilie betreut werden können, durch eine Verbindung von Alltagserleben mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung gefördert werden. Im Bereich der Heimerziehung vollzieht sich gegenwärtig eine Weiterentwicklung in Richtung Dezentralisierung, Entspezialisierung, Flexibilisierung und Demokratisierung.

Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung

Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung ist auf die spezifische und intensive Unterstützung zur Veränderung der individuellen Lebenssituation der jungen Menschen gerichtet, mit dem Ziel ihrer sozialen Integration und ihrer eigenverantwortlichen Lebensführung. Die Hilfe richtet sich an Jugendliche, die durch den gruppenbezogenen Charakter von Heimerziehung oder sonstigen betreuten Wohnformen überfordert wären.

Die Kosten für Hilfen zur Erziehung trägt grundsätzlich das Jugendamt. Bei einer Unterbringung außerhalb der eigenen Familie und bei der Erziehung in Tagesgruppen können die Eltern oder Jugendlichen im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch zu den Kosten herangezogen werden. Auf keinen Fall darf eine notwendige Hilfe an Kostenfragen scheitern.

ZUSTÄNDIG: Jugendämter bei den Landratsämtern und den kreisfreien Städten; freie Träger der Jugendhilfe