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Schwangerenberatung

Werdenden Müttern stehen besondere Hilfen und Schutzrechte zur Verfügung. Diese umfassen insbesondere folgende Bereiche:

Beratung zur Schwangerschaft

Werdende Mütter haben Anspruch auf umfassende Beratung in allen die Schwangerschaft betreffenden Fragen. Die Beratung erfolgt kostenlos in den staatlich anerkannten Schwangerschaftsberatungsstellen der freien Träger und der Gesundheitsämter. Diese Stellen führen auch die gesetzlich vorgeschriebene Schwangerschaftskonfliktberatung vor einem Schwangerschaftsabbruch durch. Über die Beratung hinaus werden praktische Hilfen vermittelt, insbesondere die gesetzlichen sozialen Leistungen, aber auch sonstige Hilfen wie die Vermittlung in eine Einrichtung für Mutter und Kind. Mit Einwilligung der Schwangeren können auch andere Personen, zum Beispiel der Partner, in die Beratung einbezogen werden. Zur Schwangerenberatung gehört auch die Betreuung nach der Geburt oder nach einem Schwangerschaftsabbruch.

Beratung und die Vermittlung von Hilfe sind auch in den Beratungsstellen möglich, die keine Schwangerschaftskonfliktberatung anbieten.

Spezielle Beratung zu Fragen der vorgeburtlichen Untersuchungen wird in den fünf Fachstellen zur pränataldiagnostischen Beratung angeboten.

Beratung zur vertraulichen Geburt

Eine Frau, die ihre Schwangerschaft verheimlicht, nicht mehr weiter weiß und niemanden hat, der sie unterstützt, kann den Weg der vertraulichen Geburt wählen und so medizinisch sicher entbinden. Sie wird von einer besonders geschulten Schwangerenberaterin, die an die gesetzliche Schweigepflicht gebunden ist, beraten und begleitet. Nach dem Gesetz ist die vertrauliche Geburt eine Entbindung, bei der die Schwangere ihre Identität nur einmal gegenüber der Beraterin offenlegt, die dafür sorgt, dass die Daten sicher hinterlegt werden. Die Entbindung erfolgt unter einem Pseudonym. Mit dem vollendeten 16. Lebensjahr kann das vertraulich geborene Kind dann die Einsichtnahme in die persönlichen Daten der Mutter verlangen. Wenn die Mutter geltend macht, dass die Einsicht der Daten auch nach 16 Jahren für sie mit Gefahren für Leib, Leben, Gesundheit und persönliche Freiheit oder ähnlichen schutzwürdigen Belangen verbunden ist, kann sie dem Einsichtsrecht entgegenwirken. Ein Familiengericht muss in diesem Fall die Interessen von Mutter und Kind gegeneinander abwägen.

Schwangere mit Anonymitätswunsch können sich vertrauensvoll an eine Schwangerenberatungsstelle in ihrer Nähe wenden.

Finanzielle Hilfen

Schwangeren Frauen, die sich in einer finanziellen Notlage befinden, bietet die Bundesstiftung »Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens« Hilfe und Unterstützung an. Die Leistungen werden durch die Länder ausgereicht. Das soll das »Ja« der Schwangeren zu ihrem Kind erleichtern helfen, denn häufig sind Schwangerschaft und Geburt eines Kindes mit nicht leicht zu bewältigenden finanziellen Problemen verbunden.

Mittel der Stiftung können für Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Schwangerschaft und der Geburt sowie der Pflege und Erziehung eines Kleinkindes entstehen, eingesetzt werden, insbesondere für die Erstausstattung des Kindes.

Die Antragstellung soll in den ersten Schwangerschaftsmonaten (bis zur 20. Schwangerschaftswoche) erfolgen. Erforderlich sind sämtliche Nachweise, die Einkommen und Ausgaben der Antragsteller belegen, Anlaufstellen sind die Schwangerschaftsberatungsstellen der freien Träger und der Gesundheitsämter.

Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft

Bei Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenversicherung sowie für versicherte Familienangehörige (Familienversicherung) besteht Anspruch auf Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft.

Nichtversicherte und in keinem Arbeitsverhältnis Stehende können Leistungen im Rahmen der Sozialhilfe oder der Kriegsopferfürsorge erhalten.

Mutterschutz

Werdende Mütter, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, haben Anspruch auf Mutterschutz.

Mutterpass

Der behandelnde Arzt soll einen »Mutterpass« ausstellen, der alle wichtigen Daten und Hinweise über den Gesundheitszustand der Schwangeren enthält. Die Schwangere sollte diesen Pass stets bei sich tragen, damit in Notfällen, zum Beispiel bei einer Frühgeburt, schnell geholfen werden kann.

Hilfen bei Schwangerschaftsabbruch

Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung haben Anspruch auf ärztliche Beratung und Hilfe, auch wenn ein Schwangerschaftsabbruch erwogen wird. Außer der Beratung über die Erhaltung und den Abbruch der Schwangerschaft werden ärztliche Untersuchung und Begutachtung zur Feststellung der Voraussetzungen für einen nicht rechtswidrigen Schwangerschaftsabbruch gewährt. Liegen diese vor, werden auch ärztliche Behandlung, Versorgung mit Arzneimitteln, Verband- und Heilmitteln sowie Krankenhauspflege und in der Regel Krankengeld gewährt.

Für den Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung besteht für Frauen, die in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, als auch für Frauen, die privat krankenversichert sind, Anspruch auf Übernahme der Kosten durch den Freistaat Sachsen, wenn der Frau die Aufbringung der Mittel nicht zuzumuten ist.

Die Leistungen müssen vor Durchführung des Schwangerschaftsabbruchs bei der Krankenkasse, bei der die Frau gesetzlich krankenversichert ist, beantragt werden. Die Krankenkasse stellt bei Bestehen eines Anspruchs einen Berechtigungsschein aus, den die Schwangere beim Arzt, der den Abbruch vornimmt, vorzulegen hat. Dieses Verfahren gilt auch für Frauen, die nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind. Sie können eine Krankenkasse ihres Wohnsitzes wählen.

Genetische Beratung

Werden bei einem Kind anlagebedingte Krankheiten oder Behinderungen befürchtet, kann man sich an einen Arzt oder an eine genetische Beratungsstelle (in der Regel in den Universitätskliniken) wenden.